Freitag, 20. Juli 2018
Traum eines Verheirateten

Während einer Umzugsübernachtung, an der Wand eines ehemaligen Steinbruchs, wenige Kilometer von Tübingen entfernt.



Ich verließ ein Gebäude aus meterdicken, schlichten Betonmauern, klagend, wie schlecht das Wetter sei, und eine ehemalige Klassenkameradin stand auf einem Vorsprung über der Türe und maulte zurück: Jammer doch nicht so.

Durch mehrere offene Gebäude hindurch betrat ich eine Halle, in der ein weitläufiges, von Stufen umringtes Wasserbecken lag. Dampf stieg auf; eine mächtige, gleichmäßige Strömung trieb die Fluten im Kreis und bewegte die zahlreichen, in kleinen Gruppen vereinten Schwimmer mit sich. Über allem lag eine gereizte Euphorie, Menschen waren sich freundschaftlich zugetan oder warben spielerisch umeinander.







Sie saß im blauen Badeanzug auf einer der großen Steinstufen am Beckenrand mit Freundinnen, erkannte mich von weitem und lächelte mich mit ihrem Übermenschenlächeln zu sich. Eine Gruppe trieb im Wasser an uns vorbei; sie hatten, die Arme auf den Schultern des Nächsten verschränkt, einen Kreis um eine Art Flossgerüst herum gebildet, um das sie sich zusätzlich zur rotierenden Strömung einem Karussel gleich langsam drehten. Sie zog mich unter Scherzen ins Wasser; unsere Blicke trennten sich längstens für halbe Sekunden. Die Gruppe gängelte uns so, dass wir im Kreis einander gegenüber trieben. Für Momente wurde ich von schweren Armen auf meinen Schultern unter Wasser gedrückt, erregte mich mit gespielter Heftigkeit, was das denn solle?, und man erklärte mir sehr ernsthaft: Doch doch, so stützt man sich gegenseitig. Die Stimmung um uns herum wurde euphorischer und gereizter und kippte ins Rauschartig-Verzückte.


Ich schloss die Augen, gab dem Druck der schweren Arme nach und ließ mich untergehen, drehte mich um die eigene Achse. Unter dem Floss suchte ich mit der Hand den Boden, fand ihn und stupste kopfüber vorsichtig mit dem Zeh ihren Rücken, wenig oberhalb der Hüfte. Wir tauchten, trafen uns schwebend über dem Grund, neigten unsere Köpfe eng einander zu, die Augen geschlossen.


Bist du da? fragte sie.
Ja, hab auf dich gewartet, antwortete ich und dachte dabei: I've been waiting for you, wie aus einem Lied.

Hier aufgewacht.



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