Widerstand
Am Dienstag, 23. Mrz 2010
Da ich den Scheiß nicht mehr hören kann.
Bekenntnisse alleine sind langweilig. Ich möchte die Idee wirklich gerne mal bis zu Ende durchspielen, weil ich das für aufschlußreicher halte. Welche Möglichkeiten hätte ich gehabt, Widerstand zu leisten? Alleine die Frage der Möglichkeit setzt bereits die Frage nach einer Motivation voraus, da Menschen ohne Zweckbeziehung niemals handeln, d.h.: wir müssen einer vorgestellten Person, die im nationalsozialistischen Deutschland Widerstand leisten soll, einen Grund mitliefern, warum sie nicht nicht Widerstand leisten sollte. Ich würde zunächst lieber keinen genauen Zeitpunkt festlegen, sagen wir einfach zwischen 1933 und 1945. Die Nürnberger Gesetze wurden, wenn ich mich recht entsinne, irgendwann 1935 erlassen. In meinen Augen ist dieses Datum der späteste Zeitpunkt, an dem jemand hätte bemerken müssen, daß Übel droht und die Sache sich nicht so schnell wieder legen wird, mindestens: daß eine Verschlimmerung der Zustände für bestimmte Gruppen eingetreten ist, die einen radikalen Bruch mit der bisherigen Gesellschaftsordnung bedeutete. Andere würden dies eindeutige "Zeichen" womöglich früher oder später verorten.
Mit dem genauen Zeitpunkt des Experiments will ich mich eigentlich nicht allzu lange aufhalten, er spielt aber eine gewichtige Rolle: weil zu jedem Zeitpunkt der Geschichte besser oder schlechter erkennbar war, daß weiteres Übel droht, woraus sich mehr oder weniger eindringliche Imperative ableiten ließen, es hätte bekämpft werden müssen. Nichtsdestotrotz, um eine Näherung anzubringen: ich glaube, jeder ernstzunehmende, organisierte Widerstand hatte eine Chance bestenfalls bis 1934. Danach war es für alles zu spät.
Ich sehe folgende Handlungsalternativen, für weitere Ideen bin ich aufgeschlossen.
1) Emigration.
Ich hätte mich unter Vorgabe irgendwelcher Gründe ins Ausland verziehen können, aber das hat mit Widerstand nichts zu tun.
2) Politische Betätigung.
Ich hätte mich politisch betätigen, versuchen können, Mehrheiten unter mir zu sammeln, um einen Umsturz herbeizuführen. Das setzt gewisse Fähigkeiten intellektueller und charismatischer Art voraus, die zu besitzen ich aus der Ratio der Vorsicht heraus nicht annehme. Ich hätte mich in der Öffentlichkeit zeigen und aggressiv und kontrovers agieren müssen, um in kurzer Zeit Mehrheiten unter mir zu sammeln, und zweifellos hätte ich mein Leben dabei aufs Spiel gesetzt - Gegner der Nazis wurden schon vor 1935 in ihren Betten von gestiefelten Landsknechtsnaturen zu Tode geprügelt. Nicht nur der Rückhalt in der Bevölkerung aber war 1935 schon sehr groß, sondern die bloße Angst, Schaden durch Nicht-Denunziation auf sich zu ziehen, und ich hege tiefe Zweifel, ob ich zu diesem Zeitpunkt noch eine politische Gegenbewegung ins Leben hätte rufen können (wir können nun natürlich den Zeitpunkt unseres Gedankenexperiments weiter in die Vergangenheit verschieben, etwa auf 1933 - dann wiederum stellt sich die Frage, ob die vom NS-Staat ausgehende Gefahr, besonders die hässlichsten Auswüchse wie der Tod von Millionen, damals schon absehbar waren und damit als motivationale Faktoren, sie bekämpfen zu wollen, realistische Möglichkeit gewesen wären. Wer diese Frage allzuleicht bejaht, ist womöglich schlecht in der Lage, von der heutigen, aus geschichtlicher Retrospektive gesicherten Faktenlage zu abstrahieren und hält es deshalb allzuleicht mit denen, die da sagen, das Übel sei bereits 1933 zu erkennen gewesen. Ich teile diese Auffassung nicht: was 1933 erkennbar war, war, daß ein Regime aufzog, das mit Unterdrückung und Mord agieren, durch Ausgrenzung von Minderheiten Mehrheiten einen und Kriege führen würde. Keinesfalls aber waren die Ausmaße dieser Zielsetzungen, die Millionen von Toten durch den inländischen Faschismus und die Kriege im Ausland, 1933 in irgendeiner Weise "absehbar" - wer diese Auffassung aus der heutigen Distanz vertritt, verleiht seinem ins Jahre 1933 versetzten alter ego deterministisch-hellseherische Fähigkeiten. Wir können nicht in diesem Sinne sagen: "die Menschen von 1933 hätten damals etwas unternehmen müssen, damit die Lager und die fürchterlichen Kriege nicht zustandekommen würden", denn der faktische Verlauf der Geschichte, wie er sich später tatsächlich ereignen würde, war damals noch niemanden bekannt, nicht einmal den Planern und Ausführern dieser Kriege; er existierte, wenn überhaupt, als gedachtes Konzept, als Vorhaben in Planform in den Köpfen einiger Beteiligter oder als dräuendes Unheil in den Herzen einiger Vorausahnender. Es folgt deshalb der Logik irrealer Konditionalsätze, wenn man aus heutiger Sicht sagt: die Menschen von damals hätten das [sich noch nicht ereignet habende] Übel der späteren Jahre verhindern müssen, denn es war ihnen bestenfalls als abstraktes, am Ereignishorizont aufziehendes Unwohlsein verfügbar. Wenn wir ein Gedankenexperiment vollziehen, dürfen wir für die Protagonisten auch nur solche motivationalen Faktoren in Betracht ziehen, die sich aus der damals gegebenen Faktenlage entweder direkt logisch oder als logische Möglichkeit deduzieren lassen). Denunziation war bereits 1935 in allen Schichten und sozialen Verhältnissen gang und gebe; ich gebe der Sache also wenig Aussichten. Außer Zweifel steht für mich, daß, wäre mir dieses Unternehmen bis zu solcher Stärke der Bewegung gelungen, daß diese den Nazis gefährlich hätte werden können, es zu einer Eskalation gekommen wäre, die in physischen Auseinandersetzungen gegipfelt hätte und in der meine Anhänger und ich zahlenmäßig unterlegen gewesen wären, was den Tod zur Folge gehabt hätte. Dabei hätte ich mir desweiteren die Frage stellen müssen, ob ich in Kauf nehmen will, daß Menschen, die unter dem Banner der Bewegung, die ich selbst ins Leben gerufen habe, in gewalttätigen Auseinandersetzungen ums Leben kommen, d.h. ob ich ihm Falle ihres Todes nicht eine Mitverantwortung zu tragen hätte, weil ich sie zu ihren Taten angeleitet hätte. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, daß die von mir ins Leben gerufene Bewegung schon lange vor der Reifung zu revolutionärer Stärke durch Denunziation gestoppt worden wäre.
Fazit: die Erfolgschancen einer solchen Unternehmung tendieren gegen Null, das zeigt die Geschichte (was natürlich kein Beweis dafür ist, daß eine solche Idee trotzdem nicht vielleicht Aussichten gehabt hätte: denn 1935 war der Lauf der Geschichte noch nicht determiniert, und eben deswegen muß die Möglichkeit in Betracht gezogen werden); folglich hätte ich es gelassen.
3) Unterstützung ausländischer Mächte durch Informationsweitergabe.
Das hier ist nur ein Gedankenspiel, deswegen sollte man sich nicht von der Vorstellung unglaubwürdiger Verwegenheit irgendwelcher Agententätigkeiten ernüchtern lassen. Also: womöglich wäre es mir gelungen, an relevante Informationen zu gelangen, die ich dem Ausland - wir wollen annehmen, daß man im Angesicht der Nazis jede ausländische Macht als möglichen Kooperationspartner betrachtet - hätte zuspielen können. Aus damaliger Sicht, d.h. im Unwissen, was die nächsten zehn Jahre bringen, wäre meine Motivation dafür eventuell hoch gewesen. Einmal abgesehen davon, daß ich auch bei dieser Tätigkeit mein Leben auf's Spiel gesetzt hätte, wäre für mich unsicher gewesen, was das Ausland mit diesen Informationen angefangen hätte bzw. ob überhaupt und wenn ja, inwieweit diese Informationen dazu genutzt hätten bzw. tatsächlich verwendet werden würden, um die in Deutschland herrschenden Verhältnisse zu ändern. Einer Sache jedoch wäre ich mir auch damals, im Unwissen, was sich in den nächsten zehn Jahren ereignen würde, klar gewesen: das Ausland wird zu einer umfassenden Veränderung der Verhältnisse in Deutschland erst dann aktiv beitragen, wenn es sich mit ihm im Krieg befindet. Und vom Krieg hatten alle Nationen zu diesem Zeitpunkt die Nase voll, d.h.: ich hätte darauf spekulieren und warten müssen, daß Deutschland der von mir unterstützten Nation oder einem ihrer Alliierten den Krieg erklärt. Und selbst dann wäre für mich nur bedingt transparent gewesen, ob und inwiefern die von mir gelieferten Informationen zum Sieg ausländischer Mächte beigeträgen hätten.
Fazit: mangels Übersicht über die Auswirkungen meines Handelns, vor allem aber angesichts der Tatsache, daß ich auch hier mein Leben zur Disposition stelle und wahrscheinlich einen äußerst häßlichen Foltertod erleide, kommt diese Möglichkeit für mich nicht in Frage.
4) (Bomben-)Attentate auf den Kopf des Regimes.
Diese Möglichkeit kommt tatsächlich als realistisch in Betracht. Realistisch, weil es zu ihrer Durchführung nicht nötig ist, globale Zustände (also den Gesamtzustand Deutschlands) zu verändern, sondern eine winzige punktuelle Veränderung herbeizuführen (den Tod des Oberhauptes des NS-Staates), die dann als solche - hoffentlich - eine globale Veränderung nach sich zieht. Ebenso wie die Tötung eines Menschen durch eine Bombe eine sehr kurzfristige Angelegenheit ist, ist auch die Vorbereitung einer solchen Tat innerhalb kurzer Zeiträume möglich und gerade deswegen aussichtsreich. Die moralische Frage wäre für mich in Hinblick auf die bis 1935 bereits stattgefunden habenden Ermordungen und die Aussicht auf weitere Morde wahrscheinlich leicht zu lösen gewesen, in einer schlichten Güterabwägung: es ist vertretbar, einen Einzelnen zu töten, wenn dadurch Tausende, vielleicht Hunderttausende gerettet werden können. Die besonderen, zur Ausführung nötigen Voraussetzungen bestehen eher in dem psychologischem Geschick, möglichst kurzfristig vor der Tat bei ähnlich oder gleich Gesinnten um Unterstützung zu werben, um die Möglichkeit der Denunziation zu schmälern, und die nach dem Anschlag ausbrechenden Wirrungen durch sorgfältig durchdachtes Vorgehen zum eigenen Vorteil zu nutzen. Außerdem bedarf es ungeheurer Willensstärke und Durchhaltevermögens sowie bedingungsloser Selbstkontrolle, um die Sache durchzuziehen.
Leider besteht auch hier die Möglichkeit, daß ich verraten werde und dabei draufgehe. Falls ich geschnappt werde, wird mein Tod ausgesprochen unschön, denn vorher wird man mich unter Verwendung geeigneter Mittel dazu treiben, die Namen der Mitverschwörer preiszugeben. Obendrein ist davon auszugehen, daß das Regime meinen Putschversuch verheimlicht und mich aus der Geschichte ersatzlos streicht, es winkt mir also nicht mal posthumer Ruhm. Das Wissen um bereits aufgeflogene Verschwörungen und das unschöne Ableben der daran Beteiligten steigert meine Motivation auch nicht gerade. Eine Menge von Bedingungen müssen zudem erfüllt sein, um überhaupt auch nur in die Nähe dieser Möglichkeit zu kommen, zum Beispiel muss man in den Kreisen der obersten Riege unter dem Kopf des Regimes verkehren. Dennoch: wären diese Bedingungen für mich erfüllt und gäbe es keine mir nahestenden Personen, die unter meinem Scheitern eventuell zu leiden gehabt hätten, wäre diese Möglichkeit für mich in Betracht gekommen. Ich glaube nur, daß ich eine realistischere Alternative anpeile, wenn ich bezweifle, daß ich soviel Heldenmut aufgebracht hätte wie Stauffenberg.
5) Verstecken von Verfolgten.
Das Verstecken politisch Verfolgter ist keine Widerstands-, sondern im Sinne des NS-Rechts eine Zuwiderhandlung, die heute kanonisch mit Zivilcourage gleichgesetzt wird. Unter einer Widerstandshandlung verstehe ich eine Handlung, deren Ziel es ist, dem NS-Staat entgegenzuwirken, sei es nur durch punktuelle Nadelstiche, und ihn langfristig zu beseitigen.
Tatsächlich hätte ich diese Möglichkeit ernsthaft in Betracht gezogen, wenn
a) ich mir sicher gewesen wäre, daß eine Entdeckung der von mir Versteckten höchst unwahrscheinlich ist: wenn ich also ein exzellent getarntes, sich außerhalb jeder denkbaren Salienz befindliches Versteck gefunden hätte
b) niemand im Haus wäre, den ich für einen potentiellen Spitzel gehalten hätte
c) und ich auch für Ausnahmesituationen einen Plan B, C und D gehabt hätte
d) und wenn ich mir sicher gewesen wäre, daß ich meine Angst in gefährlichen Situationen tadellos zu überspielen in der Lage bin
- dann hätte ich Verfolgte versteckt.
Mein Kalkül in diesem Gedankenexperiment ist, aus der Distanz der Gegenwart heraus, natürlich sehr nüchtern und rational. Ich habe keine Ahnung, was ich getan hätte, wenn irgendwann eine Familie mit Kindern vor mir gestanden hätte, in deren Augen man sehen kann, wie sie sich vor Todesangst in die Hosen scheissen. Diesen Fall kann ich nicht in mein Kalkül einbauen, weil mir die empirische Erfahrung fehlt und ich die bloße Vorstellung, sei sie noch so intensiv, für unzulänglich halte.
Eine Ausnahme kann ich aber im Vornherein treffen: wenn meinem Schicksal weitere Personen angehaftet hätten, die von einem möglichen Scheitern meiner Person unmittelbar bedroht gewesen wären, hätte ich es nicht getan. Heißt? Ich habe heute einen Sohn. Hätte ich ihn damals auch gehabt, hätte ich ihn niemals dieser Gefahr ausgesetzt. Ich hätte also politisch Verfolgten, die vom Tode bedroht bei mir um ein Versteck bitten, die Türe vor der Nase zugemacht? So ist es, ich hätte die Türe wortlos vor ihrer Nase zugemacht. Denn Fürsorge für das eigene Blut lastet schwerer als Mitleid mit fremdem Blut. Diese Ausnahme trifft auch auf jede andere der genannten Möglichkeiten zu.
6) Mitmachen.
Etwas plakativ ausgedrückt: in der Öffentlichkeit soviel Fahnen schwenken, mitmarschieren und Sieg Heil rufen wie nötig, Zähne zusammen und durch; im Stillen und Privaten versuchen, das Übel nicht in das eigene Herz zu lassen und still und heimlich zu helfen, wo es geht, Option 5) inbegriffen. Denunziation hätte ich wahrscheinlich vermeiden können - ich glaube, ich hätte glaubwürdig vortäuschen können, von einer aufzudeckenden Missetat (im Sinne des NS-Rechts) nichts gewußt zu haben und wäre wahrscheinlich mit einem Anschiß und etwas Mißkredit davon gekommen.
Viel, viel problematischer wird die Durchspielung des Falles, daß ich zum Kriegsdienst eingezogen und gezwungen worden wäre, auf Menschen zu schießen. Auch hier gibt es Möglichkeiten, sich rauszuwinden - die Frage ist, wie unmittelbar für Außenstehende einsehbar ist, ob ich auch wirklich auf Menschen schieße. Auf einem offenen Schlachtfeld könnte ich wild in die Luft ballern, bei einer angeordneten Exekution wäre es übel geworden. Der Ehrlichkeit halber: ich weiß nicht, wie ich dabei gehandelt hätte, aber ich schließe die Möglichkeit nicht aus, daß ich unter Androhung meiner eigenen Erschießung Unschuldige erschossen hätte, um mein eigenes Leben zu schützen. Womöglich hätte ich auch einen Nervenzusammenbruch gekriegt und mir persönlich die Birne weggeballert. Hätte ich aber daheim Frau und Kind oder auch nur ein Kind gehabt, und hätte man mir gedroht, mich zu erschießen, wenn ich nicht abdrücke, dann hätte ich wahrscheinlich geschossen. Für diesen Fall gilt die gleiche Voraussetzungen wie für 5): um eine sichere Vorhersage des eigenen Verhaltens in dieser Situation herzuleiten, sind die Umstände zu extrem und die bloße Imagination derselben unzureichend. Ich kann nicht sicher deduzieren, was ich getan hätte, und gerade deshalb stelle ich, um realistisch zu sein, die hässlicheren Alternativen zur Disposition.
Es sind dies die ganzen abscheißlichen Vorstellungen, denen man sich Gott sei Dank nicht ernsthaft stellen muß, weil all das vorbei ist und sich nie mehr wiederholen wird. Wir leben in einer funktionierenden, pluralistischen Demokratie und haben etwas, was sich annähernde Rechtsstaatlichkeit nennen darf, es steht uns jederzeit frei, uns auf eine Bananenkiste zu stellen und inmitten belebter Fußgängerzonen lauthals zu proklamieren, daß wir unsere Staatsoberhäupter scheiße finden, und niemand wird uns dafür einsperren und foltern. Im Gegenteil, wir dürfen für diese radikale Kritik sogar Verbände und Parteien bilden und kriegen unter Umständen sogar noch vom Staat Gelder dafür, dieses Unternehmen auszubauen - solange wir die bestehende Rechtsordnung nicht angreifen. Was für Voraussetzungen!
Je ne suis pas d'accord avec ce que vous dites, mais je me battrai jusqu'à la mort pour que vous ayez le droit de le dire.
Aber im Genuß genau solcher Freiheiten sollten wir uns eben jenen häßlichen Vorstellungen stellen und sie unverhohlen und akkurat durchspielen, bevor wir ebenso frei und großmäulig daherschwätzen, wir hätten damals Widerstand geleistet, und weil die Menschen dies damals nicht getan hätten, existiere eine Kollektivschuld. - Es gibt heute eine gesetzliche Regelung, die uns zwar auffordert, anderen Menschen in Notlagen zu helfen, die uns aber ausdrücklich davor warnt, unser Leben dabei aufs Spiel zu setzen und uns vor dem Gesetz freispricht, wenn wir deshalb eine Hilfeleistung unterlassen. Ich möchte wissen, warum diese Regelung für das Dritte Reich nicht gilt, obwohl wir selbiges ansonsten aus heutiger Jurisdiktion betrachten und bewerten.
Der NS-Staat arbeitete wie jede andere durch Apparate verwaltete Diktatur, siehe Stalin und andere, mit den Mitteln Terror und Angst. Jeder hatte Angst, abgeholt zu werden, jeder hatte Angst, etwas Falsches zu sagen, und jeder mußte in weiser Voraussicht davon ausgehen, daß selbst ihm Nahestehende - Freunde, Bekannte, sogar Familienmitglieder - potenzielle Denunzianten waren, noch nicht einmal aus Verdorbenheit, sondern aus Angst, selber Schaden auf sich zu ziehen, wenn sie nicht denunzieren und dadurch der möglichen Konsequenz vorgreifen, bei einer Verhaftung des Betreffenden als dessen Komplize, Mittäter oder Mitwisser dazustehen. Genau dieser motivationale Mechanismus vorauseilender Denunziation ist doch das potenteste Druckmittel einer hochorganisierten Diktatur: die Aufrechterhaltung allgemeiner paranoischer Zustände, in denen den Menschen jede gewohnte Sicherheit im gegenseitigen Umgang abgeht; ein Zustand, in dem die kleinste, unwillkürliche Zuwiderhandlung, selbst die Unterlassung einer Handlung! dich dein Leben kosten kann, weil jeder ein potentieller Gegner ist, so daß du dich auf nichts und niemanden mehr verlassen kannst und selbst in der kleinsten sozialen Zelle, der Familie, alert bleiben musst. Ist das nicht irre? Heute kriegt man uns dran, wenn wir jemand anderem nicht geholfen haben, obwohl es möglich und zumutbar war. Damals lief man Gefahr, als Mittäter/Mitwisser abgeholt zu werden, wenn man jemand anderen nicht schnell genug denunzierte. Wieviel gegensätzlicher geht's noch? Aber gemäß der heute vorherrschenden Meinung hätte man damals handeln sollen, als befände man sich unter gegenwärtiger Rechtssprechung.
Wenn jeder wartet, bis der Andere anfängt, werden die Boten der rächenden Nemesis unaufhaltsam näher und näher rücken, dann wird auch das letzte Opfer sinnlos in den Rachen des unersättlichen Dämons geworfen sein.
Ich weiß nicht, wie absurd und wider jeden natürlichen Selbsterhaltungstrieb die Forderung ist, unter solchen gesellschaftlichen Umständen Widerstand zu leisten (und um eine Eingrenzung vorzunehmen: "Widerstand" leisten können vorab nur die, die im inneren Konflikt mit dem NS-Regime standen. Von den Mitläufern und all denen, die sich im Dritten Reich wohl fühlten und mit Herzblut mitmarschierten und hetzten, ist hier nicht die Rede, sondern von denen, die darunter litten und furchtbare Ängste ausstanden). Wenn irgendwo die Geschwister Scholl erwähnt werden, ist mein erster Gedanke jedesmal: Ihr wart komplett wahnsinnig, wie konntet Ihr das tun? Ich meine: wie konntet Ihr auch nur eine Sekunde davon ausgehen, daß Euch in diesem Klima der Angst Mehrheiten folgen werden, oder daß Ihr mehr als einen Monat lang am Leben bleiben werdet? Ich ziehe meinen Hut vor so viel Mut und moralischer Integrität, vor der ungeheuren psychischen Resilienz, sich zu diesem Vorhaben zu entscheiden und es durchzuziehen - was soviel Lauterkeit von vornherein zunichte machte, war der fatale Irrtum, jenen Mechanismus, der im obigen Zitat angedeutet wird, so erbärmlich zu unterschätzen. Wenn jeder Angst haben muß, daß sein Nächster für ihn ein Sicherheitsrisiko darstellen könnte, tendiert die Wahrscheinlichkeit, denunziert zu werden, gegen 100% (die Wenigen, die es versucht haben und mit dieser 0,-Chance überlebten, werden von späteren Generationen in den Geschichtsbüchern lang und breit thematisiert und mit Denkmälern und Feiertagen kommemoriert. Von den Hunderten, Tausenden, deren Ansinnen im Keim erstickt wurde, ist kaum die Rede - Widerstand scheint des Erinnerns und Nachempfindens erst wert, wenn das Unternehmen bis zu einer gewissen Aussicht auf Erfolg gediehen ist. Finde ich tendenziell blöd. Ich dachte, die hehre Intention zählt).
Ein ganz anderer Fall! sind Attentate auf den Kopf einer Diktatur - wie in 4) dargestellt, hatten diese Versuche ernstzunehmende Aussicht auf Erfolg, gerade wegen den nach einem erfolgreichen Attentat ausbrechenden Wirrungen und dem dabei entstehenden, vorübergehenden Machtvakuum, in dem mit Glück und Geschick derjenige schnell die Macht an sich reissen kann, der für diesen Moment sauber und durchdacht vorgeplant hat.
Die Aufforderung zum zivilen Widerstand allerdings ist und bleibt eine unsagbare Zumutung in einem Regime wie der NS-Diktatur. Es ist weit ab jeder nach heutigem Recht geltenden Grundlage von Zumutbarkeit, sein Leben aufs Spiel zu setzen, wenn man eine 99%-Wahrscheinlichkeit hat, dabei draufzugehen und obendrein nichts zu bewirken als den eigenen Tod, womöglich auch den Tod nahestehender Personen und ein abschreckendes Beispiel, das durch seine psychologische Wirkung die Vorherrschaft der Diktatur noch verstärkt. Aber manche Arschgeigen wagen es heute, aus der zeitlichen Distanz von über sechzig Jahren, ein ganzes Kollektiv dafür zu verurteilen, daß es diese Null-Komma-Chance nicht wahrgenommen hat. Denen allen würde ich gerne sagen: Ihr gottlosen Feiglinge, Ihr schwanzlosen, opportunistischen Hunde, Euch möchte ich mal um 1942 irgendwo in Deutschland sehen. Na klar, Ihr würdet Euch auf nen Marktplatz stellen und laut gegen Hitler motzen, und wenn Ihr vor Freisler steht, würdet Ihr eine flammende Rede für den Humanismus halten und Euch mit Wonne Eurem Heldentod fügen! - Was für ein lächerlich idealisiertes, feiges und narzistisches Menschenbild, das da kreiert wurde.
Es ist so leicht, sein Maul weit aufzureissen, wenn der potentielle Gegner schon tot ist - und genau das ist Euer Opportunismus: die Denkschwachen, die es in Ihrer unreflektierten Manier mit den heutigen Tonangebern halten und mit starken Behauptungen der eigenen Charakterstärke für lau gesellschaftliches Lob auf sich ziehen, sind genau diejenigen, die sich auch in anderen gesellschaftlichen Schieflagen schnell und unkompliziert an die vorherrschende Meinung anpassen, ohne das weiter auszuführen.
der_papa,
Freitag, 26. März 2010, 16:28
Irrelevant.
allerweltsteufelchen,
Samstag, 27. März 2010, 01:11
Vorzüglich gekontert! ;-D
εντάξει!
Thälis na fame ellinika Psarakia
me Fasolia gä Angurakia? ;-)
(Kä meta tha kapnisome kati Mavro. :-D
Du könntest dich ruhig auch mal
in meiner Schnatterbox zu Wort melden,
alter Eigenbrötler. :-)
εντάξει!
Thälis na fame ellinika Psarakia
me Fasolia gä Angurakia? ;-)
(Kä meta tha kapnisome kati Mavro. :-D
Du könntest dich ruhig auch mal
in meiner Schnatterbox zu Wort melden,
alter Eigenbrötler. :-)
der_papa,
Samstag, 27. März 2010, 17:02
Irrelevant ist der Versuch „anders begabten“ Menschen den Unterschied zwischen „Widerstand fordern“ und „Widerstand leisten“ zu erklären. Würden die ihn verstehen, würden sie anders handeln. Es lohnt sich auch nicht sie beleidigen. Das entfernt sie nur noch mehr von Bildung, ebenso wie den der die Beleidigung ausgesprochen hat.
Sie haben hier übrigens eine fesche Peer-Group, Genelon. Sehr billig zu begeistern, aber immerhin. Heutzutage darf man nicht zu wählerisch sein …
Sie haben hier übrigens eine fesche Peer-Group, Genelon. Sehr billig zu begeistern, aber immerhin. Heutzutage darf man nicht zu wählerisch sein …
genelon,
Samstag, 27. März 2010, 21:47
Das gibt mir jetzt wirklich zu denken.
Nein ehrlich, dieses - dieses to-tale Versagen auf der Bildungsebene! Gott, was habe ich mich rumgeschlagen mit zermürbenden Versuchen, die Menschheit zu erhellen, eine andere, bessere Sichtweise in wohlfeilen Worten zu transportieren, ohne die Gemüter zu erhitzen und jemand zum Weinen zu bringen, und was hat es gebracht? Meine Mission ist gescheitert, alles war umsonst. Und - beleidigen? Ich habe jemand beleidigt? Gott ist mein Zeuge, das war nicht meine Absicht! Was habe ich getan? Mein Ansehen im Internet - ruiniert! Sie erleben mich voller Reue und Umdenken, ich bin ganz zerknirscht, daß ich keine Bildung scheissen und gefallsüchtige Flüstertöne schreiben kann wie Sie.
Sie mißverstehen das Konzept, lieber Freund und Gelehrter. Bildung zu demonstrieren und nett zu sein mag für manches Krämerseelchen ein echtes Katharsisprogramm sein, wenn man seine Internetextension ein wenig zu ernst nimmt; sich umfassend auszukotzen, ohne dabei Überzeugungsarbeit leisten zu wollen, kann auch abendfüllend sein. Und die Sehnsucht, bildungsnah auf andere zu wirken, sollte man nie zu explizit ausschreiben - fehlende Kommas oder ein "das" anstelle eines "daß" sehen da mehr nach Wunschdenken als nach Talent aus.
Ja, die Anhängerschaft! Sie haben ja so recht, man sollte nicht zu wählerisch sein heutzutage. Ich für meinen Teil halte es am ehesten mit Loyalität, darum geht es doch, wie Sie bei Ihrem Leidensgenossen stimmig veranschaulichen - der Rest ist Popcorn und Randale. Schlägereeeeeei! Seien wir ehrlich, wer fragt da noch nach Anspruch und Niveau? - Irrelevant.
A propos, was ist übrigens aus Ihrer Kirmesschlägerei geworden? Ist nicht wirklich in Gang gekommen, wie? Kopf hoch, wir haben alle Zeit der Welt. Machen Sie noch etwas Popcorn und rekrutieren Sie noch ein paar Idioten aus der Dose, damit die Sache noch ein wenig Schwung kriegt! Sie dürfen auch hier beliebig abstinken, ich verspreche Ihnen auch, daß ich Sie nicht lösche! Gut? Na los, kommen Sie! Paar auf's Maul, eh?
"Das entfernt sie nur noch mehr von Bildung", tststs.
Pussi.
Nein ehrlich, dieses - dieses to-tale Versagen auf der Bildungsebene! Gott, was habe ich mich rumgeschlagen mit zermürbenden Versuchen, die Menschheit zu erhellen, eine andere, bessere Sichtweise in wohlfeilen Worten zu transportieren, ohne die Gemüter zu erhitzen und jemand zum Weinen zu bringen, und was hat es gebracht? Meine Mission ist gescheitert, alles war umsonst. Und - beleidigen? Ich habe jemand beleidigt? Gott ist mein Zeuge, das war nicht meine Absicht! Was habe ich getan? Mein Ansehen im Internet - ruiniert! Sie erleben mich voller Reue und Umdenken, ich bin ganz zerknirscht, daß ich keine Bildung scheissen und gefallsüchtige Flüstertöne schreiben kann wie Sie.
Sie mißverstehen das Konzept, lieber Freund und Gelehrter. Bildung zu demonstrieren und nett zu sein mag für manches Krämerseelchen ein echtes Katharsisprogramm sein, wenn man seine Internetextension ein wenig zu ernst nimmt; sich umfassend auszukotzen, ohne dabei Überzeugungsarbeit leisten zu wollen, kann auch abendfüllend sein. Und die Sehnsucht, bildungsnah auf andere zu wirken, sollte man nie zu explizit ausschreiben - fehlende Kommas oder ein "das" anstelle eines "daß" sehen da mehr nach Wunschdenken als nach Talent aus.
Ja, die Anhängerschaft! Sie haben ja so recht, man sollte nicht zu wählerisch sein heutzutage. Ich für meinen Teil halte es am ehesten mit Loyalität, darum geht es doch, wie Sie bei Ihrem Leidensgenossen stimmig veranschaulichen - der Rest ist Popcorn und Randale. Schlägereeeeeei! Seien wir ehrlich, wer fragt da noch nach Anspruch und Niveau? - Irrelevant.
A propos, was ist übrigens aus Ihrer Kirmesschlägerei geworden? Ist nicht wirklich in Gang gekommen, wie? Kopf hoch, wir haben alle Zeit der Welt. Machen Sie noch etwas Popcorn und rekrutieren Sie noch ein paar Idioten aus der Dose, damit die Sache noch ein wenig Schwung kriegt! Sie dürfen auch hier beliebig abstinken, ich verspreche Ihnen auch, daß ich Sie nicht lösche! Gut? Na los, kommen Sie! Paar auf's Maul, eh?
"Das entfernt sie nur noch mehr von Bildung", tststs.
Pussi.
der_papa,
Sonntag, 28. März 2010, 19:51
Das hätte was werden können mit uns zwei. Wir hätten über das Thema sprechen können, hätten Meinungen und Argumente austauschen können.
Hat nicht geklappt, wie so oft — mit so vielen. Schade eigentlich, das Thema hatte was …
Hat nicht geklappt, wie so oft — mit so vielen. Schade eigentlich, das Thema hatte was …
genelon,
Dienstag, 30. März 2010, 13:11
Ja, todtraurig sowas.
Du kackst hier törichte Ein-Wort-Kommentare an die Pforte, beleidigst meine Kommentatoren, sabberst was von bildungshinderlichem Duktus und heulst zum Schluß rum, daß man nicht mit dir kuscheln will, du jämmerlicher Suppenkasper?
Du schmeisst Konfetti für die große Rauferei und bist witzigwitzig mit Popcorn am Start, und wenn der Hausherr keine Schlägerei erkennen kann, fällt dir plötzlich ein, wie sehr du dich nach beidseitiger Weiterentwicklung und Freundschaft sehnst, du wendehalsiger, inkohärenter, alinearer Falschmünzer, ausgerechnet so ein spitzfüßig-bekenntnisflüchtiger Salonnapoleon kommt hierher und entleert seinen verfaulten Kopf unter einem Beitrag, der von einem geheucheltem Credo handelt, du anämische Meinungsgondoliere? Und klugscheißt erhaben über Wechselwirkungen von Beleidigung und Weiterbildung?
Was denn für ne Bildung? Du Habichtnase, glaubst du im Ernst, ich hab mir die Fortbildung der Menschheit auf die Stirn geschrieben, will hier gut aussehen, mich beliebt machen oder diejenigen bekehren, die ich oben verurteile, wo liest du was davon, daß ich einen Dreck auf dieses Pack von unsicheren Kantonisten gebe, du Zauberlehrling? Wieviele Texte liest du eigentlich in nem fremden Blog, bevor du dir ein Urteil über den Verfasser bastelst, du philanthropischer Naserümpfer?
"Mit uns zwei".
Muhaha! Ne Kirmesschlägerei wird jederzeit noch aus uns. Na? Paar auf's Maul oder was? - Zack! - Der schwarze Ritter triumphiert immer. Komm schon! Ich schlag dich zusammen!
Du kackst hier törichte Ein-Wort-Kommentare an die Pforte, beleidigst meine Kommentatoren, sabberst was von bildungshinderlichem Duktus und heulst zum Schluß rum, daß man nicht mit dir kuscheln will, du jämmerlicher Suppenkasper?
Du schmeisst Konfetti für die große Rauferei und bist witzigwitzig mit Popcorn am Start, und wenn der Hausherr keine Schlägerei erkennen kann, fällt dir plötzlich ein, wie sehr du dich nach beidseitiger Weiterentwicklung und Freundschaft sehnst, du wendehalsiger, inkohärenter, alinearer Falschmünzer, ausgerechnet so ein spitzfüßig-bekenntnisflüchtiger Salonnapoleon kommt hierher und entleert seinen verfaulten Kopf unter einem Beitrag, der von einem geheucheltem Credo handelt, du anämische Meinungsgondoliere? Und klugscheißt erhaben über Wechselwirkungen von Beleidigung und Weiterbildung?
Was denn für ne Bildung? Du Habichtnase, glaubst du im Ernst, ich hab mir die Fortbildung der Menschheit auf die Stirn geschrieben, will hier gut aussehen, mich beliebt machen oder diejenigen bekehren, die ich oben verurteile, wo liest du was davon, daß ich einen Dreck auf dieses Pack von unsicheren Kantonisten gebe, du Zauberlehrling? Wieviele Texte liest du eigentlich in nem fremden Blog, bevor du dir ein Urteil über den Verfasser bastelst, du philanthropischer Naserümpfer?
"Mit uns zwei".
Muhaha! Ne Kirmesschlägerei wird jederzeit noch aus uns. Na? Paar auf's Maul oder was? - Zack! - Der schwarze Ritter triumphiert immer. Komm schon! Ich schlag dich zusammen!

